unOriginals (2002/03)

Die Lust am Text und an der Musik
unOriginals, origin, original: In der Musik ist das Original die Partitur, in der Literatur der Text in seiner Ausgangssprache. Beide sind der Zeit unterworfen: ihren Wirren, Veränderungen und neuen Tendenzen.
19.08.2003
Ungewöhnlicher Abend in Schloss Montfort
Die Gruppe "unOriginals" mit spanischer Musik beim Langenargener Sommerkonzert
Friedrichshafen
Viel Beifall erhielten "unOriginals" für ihr Konzert zum 100. Todestag von Hugo Wolf bei den Langenargener Sommerkonzerten.
Halblaut vor sich hinlesend betraten fünf Damen den zu einem größeren Freiraum umgestulten Konzertsaal des Montfortschlösschens und begaben sich an Flügel und Notenpulte, indes die Sprecherin Gina Mattiello das 10. Langenargener Sommerkonzert mit einem Brief von Hugo Wolf an Frieda Zerny aus dem Jahre 1894 eröffnete. Ein Gesamtkunstwerk mit Lesung, Rezitation, Liedern und Instrumentalspiel mit Violoncello und Klavier sollte der Abend unter dem Motto "La vida breve" (das kurze Leben) werden.
Mit dem Brief war auch schon der erste Aufhänger zur Erinnerung an den bedeutenden Liederkomponisten gefunden, der 1860 geboren wurde und 1903, vor hundert Jahren, gestorben ist. In seinem reichen Liedschaffen wandte er sich auch der spanischen Dichtung zu, woraus das "Spanische Liederbuch" hervorging, das jetzt das musikalische Kernstück des Projekts der Gruppe "unOriginals" bildete, verbunden mit Texten von M. Blanchot, Sor J.I. de la Cruz und F. Pessoa, die alle auf das flüchtige Leben abheben und von Gina Mattiello sehr lebendig vorgetragen wurden.
Dies war eingebaut in eine Reihe von Instrumentalvorträgen, sehr objektbezogen beginnend mit Danza espanola Nr. 1 aus Manuel de Fallas Oper "La vida breve" in der Bearbeitung für Violoncello und Klavier, dem Katharina Gross auf dem Cello leidenschaftlichen Ausdruck verlieh. Berühmt geworden ist "Orientale" von E. Granados, worin die Cellistin spanisches Melos und französischer Impressionismus in einem blutvollen Ton zu verschmelzen verstand. Instrumentales Kernstück des abwechslungsreichen Programms bildete "Suite populare espanola" von M. de Falla in der Fassung für Cello und Klavier, in deren sechs Sätzen alle Stimmungswerte spanischer Musik von Katharina Gross souverän getroffen wurden wie auch bei der schwärmerischen "Serenade" von G. Cassado oder dem tänzerisch aufgefassten "Malaguena" von I. Albeniz.
Ein weiteres spanisches Kolorit brachte die in Caracas (Venezuela) geborenen Mezzosopranistin Maria Eugenia Guerrero in das Projekt: Mit großer, warmer Stimme sang sie einmal "Romance de Don Boyso" von Lorca und in beeindruckender Gestaltung und Dynamik "La Maja Dolorosa I-III von E. Granados. Ein durch und durch überzeugender Klagegesang. Und in welch sängerischem Charme hörte man die sehr melodiös aufgefassten "Cantares" von Turina und "Cancion tonta" von Revueltas.
Die Auswahl von sieben aus 44 Liedern des Zyklus eröffnete Elisabeth Gross mit "Mögen alle böse Zungen", in spritzigem Vortrag den unbekümmerten, lachenden Leichtsinn aufnehmend. In Tristan erfülltem Gesang klang das "Bedeckt mich mit Blumen". Zu den besten Stücken der Sammlung zählt "In dem Schatten meiner Locken". Zitternde Unruhe und Angst vor dem Pfeil Amors sprach aus "Bitt ihn, oh Mutter". Als Geniewurf wird "Schmerzliche Wonnen" bezeichnet. In zupackendem Dialog stellte hier die Sängerin Engel und Dämon einander gegenüber. Dann das breit ausgeführte Stück "Geh, Geliebter", in dem Glück und Schmerz zum Ausdruck kam. Wesentlich zum Genuss trug Eleonora Pastor- San Luis am Flügel bei. Zuverlässig und ideenreich in der Mitgestaltung bei den Instrumentalstücken, aber ebenso einfühlsam und versiert zeigte sie sich in der Liedbegleitung.
Franz Josef Lay
